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5_2020

KBOB-Faktenblatt Bauausführung zu COVID-19

Fiche d'information KBOB relative aux travaux de construction

Das Faktenblatt liefert Hinweise, wie die Corona-Massnahmen von den am Bau Beteiligten konkret zu offerieren, umzusetzen sind. | La fiche d'information fournit des conseils aux acteurs de la construction pour savoir comment les mesures COVID-19 doivent être proposées et mises en œuvre.

Kommentar von Mario Marti, Geschäftsführer der Stammgruppe Planung von bauenschweiz auf LinkedIn:

Das Dokument ist von hoher Qualität und gut lesbar und verständlich. Absender des Dokuments ist die KBOB, d.h. die Koordinationskonferenz der grossen öffentlichen Bauherren in der Schweiz. Im Vorfeld fand ein minimaler Austausch mit bauenschweiz, der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft, statt. Dennoch handelt es sich leider nicht um eine gemeinsames Dokument der Bauherren- und Unternehmerseite. Das ist an sich eine verpasste Chance. Nichtsdestotrotz darf festgestellt werden, dass das Faktenblatt ausgewogenen ist und die Interessen beider Seiten fair ausleuchtet.

Nebst dem Umstand, dass das Papier einzelne Fragen nicht anspricht, ist inhaltlich einzig schade, dass das Papier zu einer der umstrittensten Fragen keine klare Stellung bezieht, nämlich zu Art. 59 SIA Norm 118.

Mein Kommentar zu diesem Punkt:

Art. 59 SIA Norm 118 dürfte in der Praxis die zentrale Bestimmung sein. Das KBOB-Faktenblatt macht hierzu eine gute Auslegeordnung. Leider schweigt das Faktenblatt aber zur entscheidenden Fragen, nämlich, ob die Corona-Krise nun als „nicht voraussehbarer ausserordentlicher Umstand“ zu qualifizieren ist. Der letzte Absatz auf Seite 8 wirft die Frage auf, beantwortet sie aber nicht. Hier wäre eine klare Positionierung der KBOB wünschenswert. So macht das Faktenblatt den Eindruck, dass sich die KBOB – ausgerechtet und nur in dieser Frage – um eine Positionierung drücken will.

Vernünftigerweise kann das Ergebnis nur darin liegen, dass die Corona-Krise ein „ausserordentlicher Umstand“ ist, der von den Parteien „nicht vorausgesehen“ werden konnte. Eine Pandemie wie die Vorliegende war in der Schweiz bisher nicht bekannt; die im Notrecht erlassenen Beschränkungen und Massnahmen haben seit dem 2. Weltkrieg keine Präjudiz und konnten nicht vorausgesehen und in der Offertgestaltung berücksichtigt werden (eine Ausnahme wäre höchstens denkbar bei Verträgen, die seit Dezember 2019 abgeschlossen worden sind; hier könnte man sich überlegen, ob der gewissenhafte Unternehmer die Folgen der sich in China ausbreitenden Pandemie hätte voraussehen können; wobei auch dies wohl in den meisten Fällen zu verneinen wäre).

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